Zur Geschichte der "Gemeinschaft Mühlenpaot"

Gemeinschaft Mühlenpaot e.V.

Gemeinschaft Mühlenpaot e.V.

Gemeinschaft Mühlenpaot

Stadt Lüdinghausen
 
 

Historisches

Zur Geschichte der "Gemeinschaft Mühlenpaot"

 

Das "Mühlentor", im Lüdinghauser Platt. "de Mühlenpaot", in der Nähe der Ostwallschule - Mühlenstrasse gelegen, ist nicht mehr vorhanden. Der Name jedoch lebt weiter in der Gemeinschaft der Bürger des östlichen Stadtteils, die sich 1955 dort bildete, unter der Bezeichnung "Gemeinschaft Mühlenpaot". Bedingt durch die Vergrößerung des Stadtgebietes und das Anwachsen der Bevölkerung ergab es sich von selbst, daß die Bewohner des Lüdinghauser Ostens - ähnlich wie der Struck - sich zu einer Bürgergemeinschaft zusammenschlossen mit dem Ziel, "Bürgerinteressen zu vertreten gegenüber Behörden, Nachbarschaft und Geselligkeit zu fördern, gemeinsame Feste zu feiern und in schweren Zeiten zusammenzustehen".
Bei dem letzteren dachte man an eine sogenannte Sterbekasse, um bei Trauerfällen eine finanzielle Hilfe leisten zu können. Das Geld sollte durch Umlage gesammelt und den Familien übergeben werden. Diese gute Idee der Gründer wurde verwirklicht und besteht bis zum heutigen Tage.

Die damaligen Gründer waren:
Franz Jasperneite, Bernhard Diekmann, August Anders, Wilhelm Guckes, Gottfried Brandenburg, Bernhard Krampe, Heinrich Overtheil, Paul Einhaus, Josef Neuhaus, Töne Weischer, Heinz Müller, Josef Schöler und Heinrich Möller. Keiner von Ihnen ahnte 1955, in welcher Weise sich der "Lüdinghauser Osten" entwickeln würde. Wenn man die Chronik aus vergangenen Tagen liest, so kann man heute fast gar nicht glauben, was die Bewohner der "Mühlenpaot" damals für Sorgen hatten. Bis zum Jahre 1957 war im gesamten Wohngebiet noch keine einzige Straße richtig ausgebaut, obwohl bereits 30 Jahre vorher mit der Wohnbebauung begonnen worden war. Der ganze "Rott" war seinerzeit noch Acker - und Weideland. Keiner dachte an "von - Haake - Siedlung, Königsberger und Danziger Straße oder Stadtstannen - Siedlung".

In Mitgliederversammlungen wurden Entschließungen gefaßt, an den Stadtrat gerichtet und in der Presse veröffentlicht, die in ihrer Bescheidenheit - aus heutiger Sicht - erstaunen lassen. Dort heißt es unter anderem:"Man wäre schon zufrieden mit einer einfachen wassergebundenen Packlage und Senkschächten, die das Oberflächenwasser ableiten würden." Ja, damals war noch weniger Geld da als heute, aber es wurde auch mit wenig Geld etwas geschafft. Jeder gab nach seinen Verhältnissen. Mit Spendengeldern und in Selbsthilfe wurde ein Kinderspielplatz erstellt, der in einem großen Kinderfest seiner Bestimmung übergeben wurde ( Mai 1961 ). Eineinhalb Jahre später konnte Dechant Kohaus den "Marien - Kindergarten" einweihen. In seiner mit viel Beifall aufgenommenen Plattdeutschen Ansprache erwähnte er die Finanzierung!
Dat Hiärt klabastert mi vör Frei in`n Liew, dat uss`n Kinnergaor`n praot is. Den Platz häw wi Ümsüss kriegen, den gaff us de Stadt Lünkhusen, de Kassmännkes gaff us auk de Stadt, de Bischofskass in Mönster un de Regeerung in Düsselduorp, owwe auk de "Mühlenpaot" hät 11 Dusend Mark bineenslöert van hues to Hues.Dat is n`grauten haupen för kleine Lüe. Hier up`n Windmühlenbiärg wuhent jä nich so Kabbeleeren äs in dat Industrieväedel an de Ludgerikiärk. In seiner soliden Bauweise ist er zum segensreichen Erziehungsmittelpunkt für den jüngsten Nachwuchs der Felizitas Gemeinde geworden.

Auch schon vor der Gründung der Gemeinschaft verstand man es, auf dem Windmühlenberg kleinere und größere Feste zu feiern. Der alte "Siedlerverein" feierte intern Sommerfeste, Karneval und für die Kleinen ein fröhliches Kinderschützenfest. Der Vogel, aus einer Runkel gefertigt, wurde von den Jungen mit Steinen abgeworfen. Derjenige, der den letzten Rest von der Stange warf, wurde König, suchte sich unter den Mädchen eine Königin mit Hofstaat und gemeinsam ging es dann an Kaffee und Kuchen. Diese Kinderfeste wurden auch von den Erwachsenen mitgefeiert, die abends in verschiedenen Lokalen zusammenkamen. Im laufe der Jahre wurden diese Feste von der "Mühlenpaot" übernommen und immer weiter entwickelt.

Zwei Jahre nach der Gründung wurde als erste große Feier ein Volks - und Schützenfest durchgeführt. Umfangreiche Vorbereitungen waren erforderlich. Aber unter Vorsitz von Clemens Voss verstand es der Vorstand, alle Schwierigkeiten tatkräftig zu überwinden. Am 3.u 4. August 1957 feierte ein ganzer Stadtteil im Zelt auf Strotmanns Wiese an der Mühlenstraße. Zu Anfang hatte Bürgermeister Heinrich Voss, auch ein "Mühlenpaotler", die neue Fahne der Gemeinschaft feierlich eingeweiht. Beim anschließenden Umzug durch das gesamte Wohngebiet wurde sie zum ersten mal der Öffentlichkeit gezeigt. An der Vogelstange wurde scharf geschossen, um den ersten König zu ermitteln. Albert Knepper schaffte es mit Glück und können und erwählte Lotti Jankord zur Königin. Unter diesem strahlenden Königspaar war das Fest ein großer Erfolg. Als glanzvoller Ausdruck der Lebensfreude war der Frühschoppen ein geselliger Höhepunkt. Ein eigenes "Mühlenpaot Lied" war von Paul Wagner zu diesem Feste verfaßt worden. Es wird heute noch bei jedem Frühschoppen gesungen. Die Begeisterung war so groß, das man beschloß, regelmäßig so ein Fest zu feiern. Viele Schützenfeste sind bereits gefeiert worden, alle mit großer Anteilnahme und großem Programm. Den Anfang bildet der Übungsabend am Donnerstag, am Samstagmorgen Gottesdienst und nachmittags Antreten, Festumzug, Königsschießen, Fahnenschlag, Polonäse und Königsball. Am Sonntagmorgen Marsch zum Stadtkreuz mit Kranzniederlegung, daran anschließend im Festzelt der große musikalische Frühschoppen mit Unterhaltungsprogramm. Der Ausklang geht für viele vom Nachmittag in den Abend über. So ein Fest ist nicht nur für die "Mühlenpaotler", sondern auch für die vielen Gäste der anderen Gemeinschaften aus Stadt und Land ein einmaliges Erlebnis.

Die jungen Leute der Jägerkompanie sind mit einer "drei Tage Feier" des Festes noch nicht ganz zufrieden und so gibt es für sie immer noch einen vierten Tag mit viel Spaß und Humorvollen Einlagen. Sogar ein eigenes Königspaar wird durch Abwurf eines Gipsvogels ermittelt. Der Ausklang endet für manchen Jäger mit einem feucht fröhlichen Bad in der Ostenstever.